Mein Raum

Ins kalte Wasser springen
und es ist tief und weit.
Springen und fliegen,
getragen werden und mich fallen lassen.
Kräftige Schwimmzüge
bringen mich voran.

Da bin ich.
Das ist mein Raum.
Das ganze Meer
mit seinen Abgründen und Tiefen,
mit seiner Dunkelheit
und den glitzernden Wellen
auf der Oberfläche.
Ein einzelner Wassertropfen
und die starke Welle,
warm an der Oberfläche,
tief und kalt ganz unten.

Der Wal
schwimmt im Haifischbecken.
Es ist zu klein,
er gehört nicht dorthin.
Nicht vor und nicht zurück.
Was macht die Bahn frei?
Wie springt er in die Tiefe?
Er braucht so viel Platz,
soviel Raum für sich.

Flutscht durch den dunklen Schlund
schnell,
gleitet in das Meer aus Liebe,
strandet im groben Kies,
angespült,
ausgespiehen vom großen Meer,
allein zurückgelassen.
Er braucht Hilfe,
ist allein. „Mein Raum“ weiterlesen

Aufblühen

Wenn das Beste in mir leben würde,
würde ich fliegen.

Wenn das Beste in mir leben würde,
wäre Hoffnung meine Nahrung.

Wenn das Beste in mir leben würde,
wäre Vielfalt mein Reichtum.

Wenn das Beste in mir leben würde,
wäre meine Stärke erwünscht.

Wenn das Beste in mir leben würde,
strahlte das Glück aus allen Poren.

Wenn das Beste in mir leben würde,
würden Hunde mich küssen.

Wenn das Beste in mir leben würde,
badete ich in einem See voller Sehnsucht.

Wenn das Beste in mir leben würde,
wäre Großes groß und Kleines klein.

Wenn das Beste in mir leben würde,
wäre ich frei zu lieben und zu geben.

Wenn das Beste in mir leben würde,
stehe ich auf der Bühne ohne Angst.

Wenn das Beste in mir leben würde,
singe ich das Lied meines Lebens mit kraftvollem Klang.

Wenn das Beste in mir leben würde,
wäre ich zart und stark zugleich.

Wenn das Beste in mir leben würde,
wäre immer jetzt.

Wenn das Beste in mir lebt,
bin ich ganz heil.

 

Focusing-Sommerschule Juli 2018

 

 

 

 

 

Wenn die Angst vergeht

Noch ein Schreibimpuls aus Hannas Schreibwerkstatt

Stell dir vor
du hättest keine Angst mehr
vor nichts und vor niemandem

 

Wenn ich keine Angst mehr hätte
würde ich tief Luft holen und
losgehen

Wenn ich keine Angst mehr hätte
würde ich es wagen
rauszugehen

Wenn ich keine Angst mehr hätte
würde ich mich zeigen
so wie ich bin

Wenn ich keine Angst mehr hätte
wäre der Mut meine Freundin und
Schutz nicht mehr nötig

Wenn ich keine Angst mehr hätte
wäre ich vor nichts mehr sicher
furchtlos

Wenn ich keine Angst mehr hätte
würde ich mutig losgehen
mit dem Kopf durch die Wand

Wenn ich keine Angst mehr hätte
würde ich über mich hinauswachsen
groß und größer werden

Wenn ich keine Angst mehr hätte
wäre ich unangreifbar und
verletzlich zugleich

Wenn ich keine Angst mehr hätte
könnte ich die Ängstlichen nicht mehr verstehen
weil ich ihre Gefühle nicht kennte

Wenn ich keine Angst mehr hätte
würde ich die Gefahren nicht mehr sehen und
blindlinks ins Unglück stürzen

Wenn ich keine Angst mehr hätte
würde das Leben wie ein weites, offenes Feld
vor mir liegen –
frei.

 

Wachstumsspuren

Wie wäre es,
einmal nur
frei zu sein
nur ich pur
ohne Zwänge
und Pein
einfach nur Sein.

Mut treibt mich voran
Angst hält mir zurück
Wo ist der Schlüssel
zum Glück?

Klar steht sie vor mir
unmissverständlich
die Botschaft an mich.
Traue ich meinen Augen?
Spüre ich mein Herz?
Lasse ich los, was mich stört?

Bin ich frei
zu gehen und zu lassen
was mich einengt
und mich zwängt
in die Jacke der Vernunft?
Zögernd nur
setz ich den Schritt
bleib stehen
blick zurück
misstraue – mir.

Immer wieder
ist der Weg versperrt
ich im Nebel
fühle mich verkehrt
nicht richtig im Leben

Und dann
blitzt es wieder auf:
Da ist es!
Ich meine es zu fassen
und schon entgleitet es wieder –
lassen.

Langsam
Langsam kommt
Langsam kommt es
Langsam kommt es heraus „Wachstumsspuren“ weiterlesen

Wortspuren

Jeden Tag ein Wort –
aber bitteschön ein gutes!
Eines, das erbaut und stärkt,
ermutigt und beflügelt.

Lass dein Wort nicht verhallen
in den Schluchten aus Nichtigkeiten.
Lass es ansteckend sein,
so dass Wort für Wort
eine zauberhafte Gedankenkette entsteht,
wo sich eine Perle an die andere reiht,
um denjenigen zu schmücken,
der sie trägt.

Werde Wortträgerin,
stolze Besitzerin von verschenkbarem
und unbezahlbarem Gut.

Gib sie frei,
die Worte deiner Seele,
lass sie los in den Raum,
in dem sie klingen können,
um mit mächtiger Lautstärke
zarte Saiten ins Schwingen zu bringen.
Auch die Letzten sollen sie erreichen. „Wortspuren“ weiterlesen

Tanzrausch

geführt
berührt
gefallen und
auferstanden
bewegt
berührt
geführt
gefolgt und
gefangen

Neu belebt
frisch geschlüpft
hoch gehoben
und aufgefangen
mitgerissen
stehen geblieben
neu entfacht
entzündet
entflammt
brennend
in die Nacht

zärtlich berührt
verführt
eingewickelt und
umhüllt
hell erleuchtet
bunt geschmückt
vertraut

aufgehalten
angehalten
losgetreten
entfesselt
erkämpft und
gewonnen

hungrig
nach Leben
leer ausgegangen
verdurstet
zerronnen
versickert und
versackt

sprudelnd
tropfend
quellend und
erhellend
Mut getrunken
Freiheit gesoffen
Ekstase
Tränen
fließen
alles zuckt und
webt

gelebt
geliebt
vertraut
gefunden
losgelassen
frei
wie eine Feder
fliegen
schweben
weben
„Tanzrausch“ weiterlesen

Spürbar

Es bricht etwas Neues an.
Es knistert und prickelt.
Es knackt und piekst.

Manchmal ganz sanft und leise
und plötzlich mit so viel Energie,
Rückenwind und Sonnenkraft.

Ja, und manchmal sticht es
und schmerzt.
Loslassen, Abschied und Trauer.

Das Alte vergeht,
ein Neues wächst.
Langsam, beharrlich, oft unsichtbar
doch beständig in Bewegung.

„Spürbar“ weiterlesen

Sonnenwolkenbruch

Ein Raum mit kreativen Materialien auf den Tischen, Stempel, bunte Stifte, Postkarten, Papier, eine Wort-Wand, Musik … Ich habe an einem einstündigen Kreativschreibworkshop von Hanna Buiting teilgenommen  und in dieser inspirierenden Atmosphäre fünf Texte geschrieben.

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Kreatives Schreiben mit Hanna Buiting, Foto: (c) Christiane Henkel

Einen teile ich heute mit Euch: 

Hoffnungsschimmer

Schon schimmert es
durch den wolkenverhangenen
Himmel meines Lebens

Ganz sacht und zart
aber hell
sogar ein bisschen glitzernd
wie Sonnenstrahlen auf einem See

Angenehm
warm für die Augen
Augenweide aus Licht und Wärme
Die Augen ruhen auf dem
Hoffnungsschimmer am Horizont

Er weist den Weg
ins Licht
Wie ist es erst
wenn die Sonne durch die Wolken bricht

Sonnenwolkenbruch

 

 

 

Muttertagsgedenken

Ich lache so viel und offen wie du
Ich bin auch mal traurig wie du
Ich lese so gerne wie du
Ich mache auch gerne ein Nickerchen wie du
Ich habe Interesse an und ein offenes Ohr für Menschen wie du

Du liebtest Blumen und deinen Garten über alles
Du warst so vielfälig engagiert
Du hast deine Familie umsorgt

Ich trage dich in meinem Herzen
Etwas von dir lebt in mir weiter
So bleibst du bei mir in diesen Tagen,
an denen ich dich besonders vermisse.

Muttertag 2018 fiel auf den Tag ihrer Beerdigung vor 2 Jahren.

 

Der rote Pfad

Für alle, die suchen und fragen, mit Ungeduld und Sehnen. Ein Focusing-Prozess.

Ich verlier den roten Faden,
ich verlier die Spur.
Ich wär so gerne –
einmal nur –
perfekt.

Alles richtig, alles gut,
alles heil, alles ganz.
Keine Zweifel, nur Mut.
Voranschreiten mit klarem Ziel.

Und doch weiß ich genau,
das wär zu viel, viel zu viel
und außerdem nicht echt.
Ich würde den Kontakt verliern,
wäre blind für Leid und Schmerz,
hätte Hoffnung ohne Ende zwar
aber keine Bodenhaftung mehr.

In mir fragt es nach der Lösung,
Erlösung aus dem Nebel,
dem Ausweg aus dem Nichts.

Vertrauen ist der Schlüssel
Liebe ist das Licht
Mit Augen zu und voller Klarheit
Schritt für Schritt
auf das Ungewisse zu. „Der rote Pfad“ weiterlesen