Sichtbar

Da ist sie.
Sichtbar.
Präsent.
Unübersehbar.

Wie lange haben wir darauf gewartet.
Wie lange gehofft, dass es geschieht.
Wie lange war der Raum versperrt,
die Angst zu groß, der Mut zu klein.

So anders fühlt es sich an:
gewiss
sicher
leicht
und gleichzeitig
selbstverständlich
freundlich
zugewandt

Offenheit
für das Spüren im Innern
und für die anderen.
Blickkontakt
und Innerlichkeit.
Frei.

In ihr ist Frieden
Gelassenheit
Zuversicht
Ruhe
und kindliche Neugier.

Sie mag die Spannung,
bevor es losgeht.
Das Rascheln, bevor es abebbt
und Ruhe einkehrt.
Das Knistern der Stille.

Blicke sind auf sie gerichtet.
Ihre Bühne.
Spannung.
Neugier.
Anfangen.

Die Worte fließen aus ihr heraus.
Geschmeidig.
Mit Leichtigkeit.
Stecknadelstille im Raum.
Ihr Raum.

Stimmig.
Klar.
Leise und laut.
Luftanhalten.
Ausatmen.

Beschwingt.
Gewiss.
Friedvoll.
Erfüllt.

 

 

 

Zuhören

Manchmal, wenn man still ist und in sich hineinhorcht und dem Felt Sense zuhört, hört man schon alles, was man braucht, um auf richtige Weise weiterzuleben.

Gene Gendlin

Heute höre ich einfach nur zu.

 

 

 

In tribute

Sein Leben Review passieren lassen. Hineingenommen werden in seine Geschichte. Einblicke bekommen in seine Musik, seine Beziehungen, sein Schaffen. Bohemian Rhapsody – in tribute to Freddie Mercury.

Ich bemerke, wie ich ab der Mitte des Films weine. Ich gehe so in Resonanz mit dem, was ich sehe und höre: Das Leben von Freddie Mercury und die Musik von Queen. Ich brauche Tage, um dieser Dimension an emotionaler Reaktion nachzuspüren. Natürlich zeigt der Film eine Seite, stellt etwas in den Mittelpunkt, gibt eine Perspektive wieder, will etwas erreichen – das Leben selbst ist noch viel facettenreicher. Es geht nicht um die „Wahrheit“, wer  hätte die schon erzählen können? Wir wissen sie doch oft nicht mal für unser eigenes Leben. Der Film wählt eine geradezu liebevolle Perspektive auf das Leben dieses genialen, exzentrischen, zerrissenen Menschen.

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Zeitumstellung – Zeitenwende

Diese Nacht ist eine Stunde länger, eine geschenkte Stunde – auch wenn das natürlich eine Illusion ist, denn wer sollte mir eine Stunde meines Lebens schenken? Jede Stunde, jede Minute, jeder Moment ist ein Geschenk. Ich darf atmen, ich darf leben.

Was bemerke ich, wenn ich jeden Moment bewusst wahrnehme? Meinen Körper, meinen Atem, ich beobachte meine Gedanken, bemerke meine Umgebung, höre die Musik und Geräusche, sehe die Details im Raum, meine Katze, spüre Wärme in meinen Händen und Verspannung in meinen Schultern.

Ich bin. Jetzt.

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Stimmig

Bin ich hier richtig?

Ein Blick von der Türschwelle in den Raum löst die Frage in mir aus. Und sofort ist da ein Gefühl, eine körperliche Resonanz zur Situation: Was erwartet mich hier (in diesem Workshop, in dieser Beratung, in diesem Training, der Lehre, dem Kurs)? Wer bin ich hier – im Verhältnis zu den Menschen, der Aufgabe, dem Geschehen, dem Raum, dem Kontext – alles zusammen wirkt auf mich. Das Empfinden kann ich nicht vorweg nehmen, es entsteht in der Situation. Was ich beeinflussen kann, ist meine Reaktion: Was mache ich mit dieser Empfindung? Wie gehe ich damit um? Wie deute ich sie?

Der erste Schritt ist es, das Empfinden überhaupt wahrzunehmen. Oft bin ich in Situationen hineingegangen und habe mich im Nachhinein gefragt, was da los war oder auch warum alles so rund lief. Welchen Einfluss habe ich darauf? Zuallererst bin ich mit mir selbst in Kontakt und übe immer mehr, gut zu mir zu sein. Z.B. indem ich mir sage: Dies ist ein neuer Kontext, du darfst aufgeregt sein. Oder: Ich bin gut vorbereitet, was jetzt passiert, liegt nicht allein an mir und in meiner Hand. Loslassen und mich aufmerksam der Situation überlassen ohne mich auszuliefern. Die unmittelbaren Empfindungen und körperlichen Reaktionen kann ich nicht steuern, ich kann lernen, sie wahrzunehmen und ihnen freundlich und achtsam zu begegnen. Ja, mehr noch: Ich kann ihnen vertrauen, sie täuschen mich selten. Ich kann hinspüren und fragen, was sich da in mir zeigt. Manchmal sind es körperliche Symptome wie ein Räuspern, Herzklopfen, ein mulmiges Gefühl im Bauch. Vielleicht interpretiere ich das bereits als Aufregung oder Angst. Hier möchte ich lernen, einen Schritt zurückzutreten und meine ersten Deutungen beiseite zu legen und ganz ahnungslos und unvoreingenommen zu sein. Und mich dann im Kontakt mit mir überraschen lassen: Ah, da ist auch so etwas wie Vorfreude oder da ist noch ein Teil, der die Angst wahrnehmen und beschützen kann. All dies hilft mir in eine Stimmigkeit zu kommen.

Wie bin ich gestimmt? Wie ist die Stimmung in mir? Wie klingen die verschiedenen Stimmen/ Stimmungen miteinander? Das sind ganz typische Fragen im Focusing-Prozess. Es ist nicht immer harmonisch in mir, „es“ möchte gehört werden, das macht den Unterschied aus.

Bin ich hier richtig? Wie bin ich hier? Bei einem Planungstreffen, an dem ich vor Kurzem teilgenommen habe, sagte eine Beteiligte am Ende: Die Frage stelle ich mir jetzt nicht mehr. Ich bin immer richtig da, wo ich bin. Ich bin immer richtig, da wo ich bin. Mit mir stimmig sein, das macht mich unabhängiger von den Situationen. Ich kann mich entscheiden, wie ich auf den Klang in mir reagiere. Nicht jede Umgebung oder Situation tut mir gut. Auch das zu bemerken, ist ein Schritt zur inneren Stimmigkeit. Vielleicht bin ich nicht immer in der Lage, das sofort zu verändern oder daraus die passenden Konsequenzen zu ziehen. Ich wünsche mir Neugier auf neue Situationen: Neugier auf die Menschen und Neugier auf die Empfindungen in mir.

 

Photo by Paul Schulze on flickr CC BY-NC-SA 2.0

Verbunden

Wenn ich mit mir verbunden bin,
kann ich alles machen.

Wenn ich mit mir verbunden bin,
ist da kein Druck.

Wenn ich mit mir verbunden bin,
kann es fließen.

Wenn ich mit mir verbunden bin,
spüre ich Tiefe.

Wenn ich mit mir verbunden bin,
ist da Leichtigkeit.

Wenn ich mit mir verbunden bin,
kann ich alles.

Nichts muss.
Lassen.
Mich
so
wie
ich
bin.

 

 

Photo by Tadeu Jnr on Unsplash

Mein Raum

Ins kalte Wasser springen
und es ist tief und weit.
Springen und fliegen,
getragen werden und mich fallen lassen.
Kräftige Schwimmzüge
bringen mich voran.

Da bin ich.
Das ist mein Raum.
Das ganze Meer
mit seinen Abgründen und Tiefen,
mit seiner Dunkelheit
und den glitzernden Wellen
auf der Oberfläche.
Ein einzelner Wassertropfen
und die starke Welle,
warm an der Oberfläche,
tief und kalt ganz unten.

Der Wal
schwimmt im Haifischbecken.
Es ist zu klein,
er gehört nicht dorthin.
Nicht vor und nicht zurück.
Was macht die Bahn frei?
Wie springt er in die Tiefe?
Er braucht so viel Platz,
soviel Raum für sich.

Flutscht durch den dunklen Schlund
schnell,
gleitet in das Meer aus Liebe,
strandet im groben Kies,
angespült,
ausgespiehen vom großen Meer,
allein zurückgelassen.
Er braucht Hilfe,
ist allein. „Mein Raum“ weiterlesen

Aufblühen

Wenn das Beste in mir leben würde,
würde ich fliegen.

Wenn das Beste in mir leben würde,
wäre Hoffnung meine Nahrung.

Wenn das Beste in mir leben würde,
wäre Vielfalt mein Reichtum.

Wenn das Beste in mir leben würde,
wäre meine Stärke erwünscht.

Wenn das Beste in mir leben würde,
strahlte das Glück aus allen Poren.

Wenn das Beste in mir leben würde,
würden Hunde mich küssen.

Wenn das Beste in mir leben würde,
badete ich in einem See voller Sehnsucht.

Wenn das Beste in mir leben würde,
wäre Großes groß und Kleines klein.

Wenn das Beste in mir leben würde,
wäre ich frei zu lieben und zu geben.

Wenn das Beste in mir leben würde,
stehe ich auf der Bühne ohne Angst.

Wenn das Beste in mir leben würde,
singe ich das Lied meines Lebens mit kraftvollem Klang.

Wenn das Beste in mir leben würde,
wäre ich zart und stark zugleich.

Wenn das Beste in mir leben würde,
wäre immer jetzt.

Wenn das Beste in mir lebt,
bin ich ganz heil.

 

Focusing-Sommerschule Juli 2018

 

 

 

 

 

Wenn die Angst vergeht

Noch ein Schreibimpuls aus Hannas Schreibwerkstatt

Stell dir vor
du hättest keine Angst mehr
vor nichts und vor niemandem

 

Wenn ich keine Angst mehr hätte
würde ich tief Luft holen und
losgehen

Wenn ich keine Angst mehr hätte
würde ich es wagen
rauszugehen

Wenn ich keine Angst mehr hätte
würde ich mich zeigen
so wie ich bin

Wenn ich keine Angst mehr hätte
wäre der Mut meine Freundin und
Schutz nicht mehr nötig

Wenn ich keine Angst mehr hätte
wäre ich vor nichts mehr sicher
furchtlos

Wenn ich keine Angst mehr hätte
würde ich mutig losgehen
mit dem Kopf durch die Wand

Wenn ich keine Angst mehr hätte
würde ich über mich hinauswachsen
groß und größer werden

Wenn ich keine Angst mehr hätte
wäre ich unangreifbar und
verletzlich zugleich

Wenn ich keine Angst mehr hätte
könnte ich die Ängstlichen nicht mehr verstehen
weil ich ihre Gefühle nicht kennte

Wenn ich keine Angst mehr hätte
würde ich die Gefahren nicht mehr sehen und
blindlinks ins Unglück stürzen

Wenn ich keine Angst mehr hätte
würde das Leben wie ein weites, offenes Feld
vor mir liegen –
frei.

 

Wachstumsspuren

Wie wäre es,
einmal nur
frei zu sein
nur ich pur
ohne Zwänge
und Pein
einfach nur Sein.

Mut treibt mich voran
Angst hält mir zurück
Wo ist der Schlüssel
zum Glück?

Klar steht sie vor mir
unmissverständlich
die Botschaft an mich.
Traue ich meinen Augen?
Spüre ich mein Herz?
Lasse ich los, was mich stört?

Bin ich frei
zu gehen und zu lassen
was mich einengt
und mich zwängt
in die Jacke der Vernunft?
Zögernd nur
setz ich den Schritt
bleib stehen
blick zurück
misstraue – mir.

Immer wieder
ist der Weg versperrt
ich im Nebel
fühle mich verkehrt
nicht richtig im Leben

Und dann
blitzt es wieder auf:
Da ist es!
Ich meine es zu fassen
und schon entgleitet es wieder –
lassen.

Langsam
Langsam kommt
Langsam kommt es
Langsam kommt es heraus „Wachstumsspuren“ weiterlesen