Blütenblatt

Vor Kurzem habe ich mit meiner Qigong-Lehrerin Susanne Schmitt einen Workshop angeboten: „Aus dem Herzen blühen Worte – Qigong und kreatives Schreiben“. In dieser bewegten und bewegenden Schreibwerkstatt sind wunderschöne Texte erblüht, die wir in einem bunten Blumenstrauß genossen haben. Einen Text einer Teilnehmerin, der im Nachklang entstanden ist, darf ich heute mit Euch teilen:

„Blütenblatt“ weiterlesen

Zeitumstellung – Zeitenwende

Diese Nacht ist eine Stunde länger, eine geschenkte Stunde – auch wenn das natürlich eine Illusion ist, denn wer sollte mir eine Stunde meines Lebens schenken? Jede Stunde, jede Minute, jeder Moment ist ein Geschenk. Ich darf atmen, ich darf leben.

Was bemerke ich, wenn ich jeden Moment bewusst wahrnehme? Meinen Körper, meinen Atem, ich beobachte meine Gedanken, bemerke meine Umgebung, höre die Musik und Geräusche, sehe die Details im Raum, meine Katze, spüre Wärme in meinen Händen und Verspannung in meinen Schultern.

Ich bin. Jetzt.

„Zeitumstellung – Zeitenwende“ weiterlesen

Stimmig

Bin ich hier richtig?

Ein Blick von der Türschwelle in den Raum löst die Frage in mir aus. Und sofort ist da ein Gefühl, eine körperliche Resonanz zur Situation: Was erwartet mich hier (in diesem Workshop, in dieser Beratung, in diesem Training, der Lehre, dem Kurs)? Wer bin ich hier – im Verhältnis zu den Menschen, der Aufgabe, dem Geschehen, dem Raum, dem Kontext – alles zusammen wirkt auf mich. Das Empfinden kann ich nicht vorweg nehmen, es entsteht in der Situation. Was ich beeinflussen kann, ist meine Reaktion: Was mache ich mit dieser Empfindung? Wie gehe ich damit um? Wie deute ich sie?

Der erste Schritt ist es, das Empfinden überhaupt wahrzunehmen. Oft bin ich in Situationen hineingegangen und habe mich im Nachhinein gefragt, was da los war oder auch warum alles so rund lief. Welchen Einfluss habe ich darauf? Zuallererst bin ich mit mir selbst in Kontakt und übe immer mehr, gut zu mir zu sein. Z.B. indem ich mir sage: Dies ist ein neuer Kontext, du darfst aufgeregt sein. Oder: Ich bin gut vorbereitet, was jetzt passiert, liegt nicht allein an mir und in meiner Hand. Loslassen und mich aufmerksam der Situation überlassen ohne mich auszuliefern. Die unmittelbaren Empfindungen und körperlichen Reaktionen kann ich nicht steuern, ich kann lernen, sie wahrzunehmen und ihnen freundlich und achtsam zu begegnen. Ja, mehr noch: Ich kann ihnen vertrauen, sie täuschen mich selten. Ich kann hinspüren und fragen, was sich da in mir zeigt. Manchmal sind es körperliche Symptome wie ein Räuspern, Herzklopfen, ein mulmiges Gefühl im Bauch. Vielleicht interpretiere ich das bereits als Aufregung oder Angst. Hier möchte ich lernen, einen Schritt zurückzutreten und meine ersten Deutungen beiseite zu legen und ganz ahnungslos und unvoreingenommen zu sein. Und mich dann im Kontakt mit mir überraschen lassen: Ah, da ist auch so etwas wie Vorfreude oder da ist noch ein Teil, der die Angst wahrnehmen und beschützen kann. All dies hilft mir in eine Stimmigkeit zu kommen.

Wie bin ich gestimmt? Wie ist die Stimmung in mir? Wie klingen die verschiedenen Stimmen/ Stimmungen miteinander? Das sind ganz typische Fragen im Focusing-Prozess. Es ist nicht immer harmonisch in mir, „es“ möchte gehört werden, das macht den Unterschied aus.

Bin ich hier richtig? Wie bin ich hier? Bei einem Planungstreffen, an dem ich vor Kurzem teilgenommen habe, sagte eine Beteiligte am Ende: Die Frage stelle ich mir jetzt nicht mehr. Ich bin immer richtig da, wo ich bin. Ich bin immer richtig, da wo ich bin. Mit mir stimmig sein, das macht mich unabhängiger von den Situationen. Ich kann mich entscheiden, wie ich auf den Klang in mir reagiere. Nicht jede Umgebung oder Situation tut mir gut. Auch das zu bemerken, ist ein Schritt zur inneren Stimmigkeit. Vielleicht bin ich nicht immer in der Lage, das sofort zu verändern oder daraus die passenden Konsequenzen zu ziehen. Ich wünsche mir Neugier auf neue Situationen: Neugier auf die Menschen und Neugier auf die Empfindungen in mir.

 

Photo by Paul Schulze on flickr CC BY-NC-SA 2.0

Verbunden

Wenn ich mit mir verbunden bin,
kann ich alles machen.

Wenn ich mit mir verbunden bin,
ist da kein Druck.

Wenn ich mit mir verbunden bin,
kann es fließen.

Wenn ich mit mir verbunden bin,
spüre ich Tiefe.

Wenn ich mit mir verbunden bin,
ist da Leichtigkeit.

Wenn ich mit mir verbunden bin,
kann ich alles.

Nichts muss.
Lassen.
Mich
so
wie
ich
bin.

 

 

Photo by Tadeu Jnr on Unsplash

Mein Raum

Ins kalte Wasser springen
und es ist tief und weit.
Springen und fliegen,
getragen werden und mich fallen lassen.
Kräftige Schwimmzüge
bringen mich voran.

Da bin ich.
Das ist mein Raum.
Das ganze Meer
mit seinen Abgründen und Tiefen,
mit seiner Dunkelheit
und den glitzernden Wellen
auf der Oberfläche.
Ein einzelner Wassertropfen
und die starke Welle,
warm an der Oberfläche,
tief und kalt ganz unten.

Der Wal
schwimmt im Haifischbecken.
Es ist zu klein,
er gehört nicht dorthin.
Nicht vor und nicht zurück.
Was macht die Bahn frei?
Wie springt er in die Tiefe?
Er braucht so viel Platz,
soviel Raum für sich.

Flutscht durch den dunklen Schlund
schnell,
gleitet in das Meer aus Liebe,
strandet im groben Kies,
angespült,
ausgespiehen vom großen Meer,
allein zurückgelassen.
Er braucht Hilfe,
ist allein. „Mein Raum“ weiterlesen

Psalmwerkstatt: Mit dem Herzen schreiben

Die Teilnehmenden kommen in einen großen, hellen Seminarraum. In der Mitte ist ein Stuhlkreis um einen Strauß Tulpen umringt von bunten Schmetterlingen und einem roten Herzen. Mit einem schön gestalteten Zitat auf einer Flipchart werden die Teilnehmenden empfangen. Klemmbretter mit einem Willkommensbrief und dem Ablauf sind vorbereitet. Daneben ist Platz zum Meditieren; Matten, Decken und Meditationsbänke liegen bereit. An einer Wand steht ein Klavier. Es kann losgehen!

Am letzten Wochenende begegneten wir uns in der Psalmwerkstatt, einer meditativen Schreibwerkstatt im Stephansstift. Wir hatten viel Raum zum Schweigen und Schreiben. In Stille begannen die Einheiten, Texte und Meditationen führten in die Tiefe des eigenen Herzens. Ein Impuls regte das Schreiben an. Die so entstandenen Texte teilten wir behutsam und wertschätzend. Wir wurden sehr reich beschenkt.

Eine Teilnehmerin schrieb:

Vielen Dank für Deine liebevolle, konzentrierte und aufmerksame Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung der Tage in Hannover.
Deine ruhige, wertschätzende Sprache, die ästhetischen handgeschriebenen Plakate und die wohltuenden Regeln für das Miteinander waren ein Genuss.
Kein Kommentar, keine Interpretation oder Analyse dessen, was andere geschrieben haben, sondern eine Resonanz, ein Echo dessen, was man selbst gehört hat.
Es war ein Geschenk und ein Segen, dabei zu sein.

Ich teile hier meinen „Schutzpsalm“, der in der Übung „Lieblingsverse fischen“ (nach Hippe 2015, S. 168) entstanden ist. „Psalmwerkstatt: Mit dem Herzen schreiben“ weiterlesen

Spur aufnehmen

Ein neues Jahr. Eine neue Überschrift für den Blog: Spurensuche. Ich möchte weiterhin auf der Suche sein nach mir, nach dem Raum in mir, in dem ich atmen kann, nach Menschen, die sich mit mir auf den Weg machen und denen ich Wegbegleiterin sein kann. Ich möchte die Spur aufnehmen, dem Pfad folgen, den schon andere gegangen sind.

Am Anfang des Jahres habe ich tatsächlich mal Vorhaben formuliert, um die Rahmenbedingungen für ein gutes, gesundes inneres Wachstum zu gestalten. Dazu gehört, dass ich all die guten Bücher lesen will, die ich in den letzten 2 Jahren bekommen und gekauft habe. In den guten Gedanken und Beschreibungen anderer möchte ich ihre Spur aufnehmen und sie mit meinem Lebensweg verbinden. Von der Liste werde ich hier auch immer mal berichten.

Zur Zeit lese ich Pierre Stutz: Verwundet bin ich und aufgehoben – Für eine Spiritualität der Unvollkommenheit und finde darin sehr viel von meiner derzeitigen Lebensspur. In kleinen Abschnitten lässt er Mystikerinnen und Mystiker aus aller Welt und allen Zeiten zu Wort kommen und verbindet ihre Spur mit seinem Leben. Ich schätze seine Ehrlichkeit und Verletzlichkeit. Dieser Spur möchte ich folgen.

Sein dürfen
ich muss nicht
sondern ich bin begleitet
das in mir zu entdecken
was mir zutiefst gut tut
„Spur aufnehmen“ weiterlesen

Trauer

Trauer ist ein lang anhaltendes Gefühl.

In den letzten Wochen ist mir meine Trauer wieder sehr nah gekommen. Ich habe zwei Texte geschrieben, die mit dem Verlust  eines geliebten Menschen zu tun haben. Trauer geht nicht vorbei, ich komme nicht „darüber hinweg“, zwar ändert sie sich, das Gefühl, die Erinnerungen, die Art der Gedanken. Dennoch ist sie immer wieder neu existentiell, tiefgreifend, aufwühlend, schmerzhaft.

Ich fühle mich verlassen, leer gefegt, alle Räume in mir sind karg, unbelebt, leer. „Ich fühl mich unbewohnt“, singt es Herbert Grönemeyer treffend nach dem schmerzhaften Verlust seiner Frau. „Geh zum Kühlschrank, mach ihn auf, er ist kalt, er ist leer.“ Kälte ist ein Trauergefühl. Wenn mir gerade mal wieder besonders oft kalt ist, merke ich, wie sich die Trauer in mir breit macht, sich hineinschleicht in meinen Körper. Alles zieht sich zusammen, versucht dieses Vakuum zu füllen. Aber da ist nur Kälte und Leere. Verlorensein, verlassen sein, unendliche Einsamkeit. Grönemeyer vergleicht den Zustand in dem Lied mit einer leeren Wohnung: „Trauer“ weiterlesen

Willkommen, innerer Kritiker!

Was? Das meinst Du doch nicht ernst oder? Doch.

Zur Zeit schreibe ich ganz viel. Und erarbeite neue Konzepte, leite Workshops. Also hat mein Innerer Kritiker Hochkonjunktur, ist immer im Einsatz, zeigt viel Ausdauer. Das merke ich daran, dass mein Wortgebrauch von „müssen“ und „sollen“ voll ist. Und dass ich diese Stimme höre, die sagt: „Das schaffst Du sowieso nicht.“ Oder: „Das kannst Du doch nicht einfach machen.“

Ganz oft höre ich den Hinweis, dass der Innere Kritiker in die Pause geschickt wird, vor der Tür bleiben soll oder noch radikaler in die Verbannung geschickt werden soll. Das Konzept der inneren Teilpersonen (s. Hinweise unten) lehrt mich, den Inneren Kritiker als einen Teil von mir zu sehen.  Im Focusing lasse ich alles zu, was da ist und sich zeigt. Also auch die kritischen Anteile in mir. Es nützt nichts, diesen Teil zu verbannen, wegzuschicken, außen vor zu lassen. Alles Verdrängte und Abgelehnte zeigt sich um so heftiger und sucht sich subtilere Schleichwege, um das Denken, Fühlen und Handeln zu durchkreuzen. Wie wäre es, mich dem Kritiker zuzuwenden, zu hören, wie es ihm geht? Das setzt voraus, dass ich nicht mit ihm identifiziert bin. Sondern, dass ich zunächst einen FreiRaum in mir schaffe, in dem ich sein kann. Von dort aus kann ich auf die verschiedenen Teile in mir schauen und mich ihnen zuwenden – oder auch Abstand nehmen, wenn sie mich ganz überwältigen wollen. Von dieser Instanz aus kann ich Kontakt aufnehmen. Von dort aus habe ich kürzlich in einem Focusing einen Teil in mir als „Moderatorin“ oder „Mediatorin“ zwischen den Teilen in mir kennengelernt. Als ich neulich in einer Workshopvorbereitung wieder mal mit viel „muss“ und vernichtenden Sätzen konfrontiert war, schrieb ich folgenden Dialog:

„Willkommen, innerer Kritiker!“ weiterlesen

Der Raum in mir

„Na, wie gefällt es Dir in Deinem Zimmer?“

fragt mich meine Focusing-Partnerin, als wir uns zur Weiterbildung in Würzburg treffen. Die Kurseinheiten finden im Focusing-Institut statt, die Übernachtung organisieren sich die Teilnehmer selbst. Ich habe nun zum vierten Mal eine andere Unterkunft ausprobiert. Und wieder muss ich ihr sagen: Nein, das ist es auch nicht. Irgendwie fühle ich mich in dem Raum nicht wohl. Ich merke, wie wichtig es mir ist, dass ich mich zu Hause fühle, der äußere Rahmen für mich stimmig ist. Ich kann mittlerweile auch genau benennen, was für mich dazu gehört, bloß leider habe ich diese ideale Unterkunft noch nicht gefunden! Nur der Blick aus dem Fenster bot von einem Tag zum anderen ganz neue Sicht:

Mein Raum. Wie korrespondiert das Äußere mit dem Inneren? Wie fühle ich mich in meinem Körperraum? Wie viel Raum nehme ich ein? Wer ist in meinem Raum?

„Der Raum in mir“ weiterlesen