Tanzrausch

geführt
berührt
gefallen und
auferstanden
bewegt
berührt
geführt
gefolgt und
gefangen

Neu belebt
frisch geschlüpft
hoch gehoben
und aufgefangen
mitgerissen
stehen geblieben
neu entfacht
entzündet
entflammt
brennend
in die Nacht

zärtlich berührt
verführt
eingewickelt und
umhüllt
hell erleuchtet
bunt geschmückt
vertraut

aufgehalten
angehalten
losgetreten
entfesselt
erkämpft und
gewonnen

hungrig
nach Leben
leer ausgegangen
verdurstet
zerronnen
versickert und
versackt

sprudelnd
tropfend
quellend und
erhellend
Mut getrunken
Freiheit gesoffen
Ekstase
Tränen
fließen
alles zuckt und
webt

gelebt
geliebt
vertraut
gefunden
losgelassen
frei
wie eine Feder
fliegen
schweben
weben
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Verletzlichkeit

Will ich wirklich darüber schreiben? Von diesem Moment, wenn die schützende Hülle reißt und darunter der Kern zum Vorschein kommt. Nackt, zart und verletzlich.  Ich spüre die klaffende Wunde, ich bemerke den Schrecken, den der Riss auslöst. Und ich sehe, was darunter liegt. Es wird sichtbar. Vielleicht für andere sogar erfreulich sichtbar: Ah, das ist sie, da zeigt sie sich. Schön, dich zu sehen. Oder andere bemerken es gar nicht, sondern es geschieht nur in mir. Oder da sind die, die diesen Riss verursachen, die das Messer zücken und noch tiefer hineinstechen, bis es richtig weh tut.

Verletzlichkeit.

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Quelle

Sommerschule Focusing auf dem Achberg im August. Der Ort an sich ist schon eine Quelle der Erholung: Der Blick von der Terrasse über das Tal bis zum Bodensee und den dahinterliegenden Bergen. Das Farbspiel des Himmels ändert sich von Tag zu Tag. Die Berge zeigen sich mal klar oder verschwinden im Nebel. Im Garten lädt der große Pool unter vier hochragenden Wacholderbäumen zum Abkühlen ein. Für viele, die immer wieder hier ins Humboldt-Haus kommen, ist es ein Ort zum Erholen, Kraft schöpfen, Auftanken. Eine Oase der Stille, ein Ort der Annahme, der Wertschätzung und Achtsamkeit. Hier erleben Menschen tiefe Prozesse, intensiven Austausch, Qualität in Begegnungen, Offenheit füreinander, vielfältigen Kontakt miteinander, neue Inspiration durch anregende Inhalte.

Ich erlebe hier Zeit für mich, für Focusing, zum Ausruhen und Kontakt mit meinen Kraftquellen: Bewegung (Fahrradfahren, Schwimmen, Tanzen), Musik (ein Flügel!), Schreiben (oben auf dem Foto ganz links steht der kleine Tisch, an dem ich gerne zum Schreiben gesessen habe), Stille und Qigong, achtsame Berührungen (im Tanzkurs, beim Focusing), Gespräche mit Menschen, bekannte und neue. Dazu auch noch gutes Essen!

Und immer wieder hinspüren, was gerade in mir ist: Was kommt aus meiner Quelle? Wie nehme ich Kontakt mit meiner Quelle auf?

Wen da dürstet, der komme zu mir und trinke. Wer an mich glaubt, von dessen Leib werden Ströme lebendigen Wassers fließen.

Joh. 7, 37-38

Wer mehr dazu hören will, dem lege ich diese Auslegung ans Herz.

Im Tanzkurs bei der Focusing-Sommerschule haben wir eine sehr schöne Übung gemacht: Den Herzraum mit Licht füllen. Wer mag, kann dazu Musik hören und so in einen Rhythmus reinkommen. Ich lade ein, dieser Übung mit mir nachzuerleben:

Herzraum. Einatmen und das Bild entstehen lassen, dass der Raum sich mit Wasser füllt  (für wen die Vorstellung von Wasser zu bedrohlich ist, kann sich auch mit Licht füllen. Für mich war es Wasser.) Die Arme begleiten die Bewegung von unten nach oben: Der Atem sprudelt von meinem Bauch von ganz tief unten als Fontäne hinauf, sie braust in den Brustraum, breitet sich immer mehr aus und dann schwappt die Welle aus dem Mund heraus. Kontakt mit der inneren Quelle. Und wieder kommt aus dem unteren Energieraum (Dan Tian) die Welle, rollt durch den Bauch- und Brustraum und ergießt sich aus dem Mund. Und nochmals geht der Impuls der sprudelnden Quelle, blubbert aus dem Bauch hoch, verteilt sich in der Brust und fließt aus meinem Mund, bewässert den Raum um mich herum. Und nun kommt der Impuls von oben nach unten, die Arme begleiten ihn in der Bewegung: Ich öffne mich nach oben, lasse alle Energie in mich hineinströmen, der Strom weitet den Brustraum, füllt den Beckenraum, strömt bis in die Beine und aus den Fußsohlen in die Erde. Ich spiele mit dieser Welle, mal von oben nach unten, mal von unten nach oben, der Atem schafft sich Platz, füllt, durchströmt, sättigt, befreit, öffnet, weitet, beglückt, perlt, prickelt, glitzert, seufzt …

Reflexion: Im Kontakt mit meinen inneren Quellen sein. Womit nähre ich mich? Was speist meine Quellen? Was füllt mich? Wie viel Platz ist in mir? Kann ich Platz schaffen für neue Inspiration, die mich erfüllt? Mit dem Atem alles mögliche rausatmen und mich mit neuer, frischer Energie füllen. Wie ist das?

Nein!

Ein etwas ungewöhnlicher Einstieg in einen Dialog. Ein Nein klingt nicht einladend, eröffnend, auffordernd. Ich erinnere mich gut an die Phase, als mein Sohn zwei oder drei Jahre alt war und neugierig die Welt entdeckte. Dabei lauerten auch Gefahren, vor denen ich ihn schützen musste. Und es standen auch mal Bedürfnisse gegeneinander, so dass ein entschiedenes und beherztes Nein eine Grenzen setzen musste. Auch wenn es in der Situation hart war und dazu führte, dass eine/r von uns unzufrieden war, führte es doch langfristig zu Klarheit: Mein Wort gilt, daran kannst Du Dich halten. Kindern hilft so eine Klarheit bei der Orientierung in ihrem Leben.

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Musik

Musik streichelt meine Seele.

Konzertsommer. In den letzten Wochen habe ich einige (Open air) Konzerte besucht. Legendäre Größen wie Phil Collins: sehr rührend, diese wunderbare Stimme in diesem gebrechlichen Körper zu sehen und zu hören. Oder die Altmeister Depeche Mode, die noch immer wild auf der Bühne herumwirbeln. Eine ganz besondere Atmosphäre herrschte beim Konzert auf der Waldbühne von Ludovico Einaudi. Ich hätte nicht gedacht, dass diese wunderbare Klaviermusik live und open air so gut rüberkommt.

Einaudi Konzert Berlin 2017
Einaudi live in Berlin, Waldbühne, 4.6.2017 (Foto: C.Henkel)

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Berührt

Etwas berührt mich. Ich bin berührt worden. Eine Berührung kann etwas in mir anrühren. Körperkontakt kann eine starke Wirkung haben – verletzen genau wie heilen. Als ich zuletzt bei einer Übung mitmachte, in der ich mit geschlossenen Augen und mit zwei Begleitern rechts und links durch den Raum gehen sollte, reagierte ich hochsensibel auf jede Berührung. Wie möchte ich geführt werden? Wo berührt mich die Partnerin, um mir ein Gefühl von Sicherheit zu geben und mich trotzdem nicht zu bedrängen? Wie viel Druck, Richtungsanweisung und Klarheit beim Geführtwerden brauche ich? Ich habe erlebt, wie wichtig mir die Achtsamkeit dafür ist, dass ich nirgendwo anstoße. Wie viel stärker wirkt eine flüchtige Berührung, ein kleiner Zusammenstoß im Raum, wenn ich mich in die Hand eines anderen begebe. Mit geschlossenen Augen sind die anderen Sinne sensibilisierter: das Hören, Riechen und Fühlen. Alles erreicht mich tiefer, ich bin spüriger. Von einer Berührung kann Kraft ausgehen. „Berührt“ weiterlesen