Erkannt

Die schützende Oberfläche bricht auf
Durch die verhärtete Struktur geht ein Riss
Schmerzvoll bricht es auf
Licht strömt herein
Ungewohnte Helligkeit
Es wird langsam hell.

Da zieht sich etwas in mir zurück
Will nicht gesehen werden
Sucht den hintersten Winkel auf
Will im Verborgenen bleiben.
Unter der Oberfläche liegen
die Gefühle von Ohnmacht
Hilflosigkeit und Scham.
Ich fühle mich klein, verloren, allein.

Und darunter ist diese Traurigkeit
Die unendliche Traurigkeit.
Ich falle tiefer und tiefer
Nichts als Tränen.

Und durch den Nebel der Traurigkeit
wische ich am Ende den Blick frei.
Unten angekommen.

Erkannt werden.

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Der geschenkte Tag

Wenn ich einen Tag geschenkt bekäme,
würde ich aufräumen mit meinem Leben.

Wenn ich mit meinem Leben aufräumen würde,
würde ich all das rausschmeißen, was nicht zu mir gehört.

Wenn ich all das rausgeschmissen hätte, was nicht zu mir gehört,
wäre ich frei.

Wenn ich frei wäre,
könnte ich einfach ich selbst sein.

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Edelsteine

In der Höhle sein.
Auf den Grund des Höhlensees schauen.
Es glitzert von Edelsteinen.
Sie liegen verborgen auf dem Grund des Sees.
Sie glitzern.
Reich und erfüllt.
Wertvoll.

Woher kommt das Licht?
Ich blicke nach oben.
Eine große Öffnung in der Höhlendecke
wird sichtbar.
Licht flutet die Höhle.
Ich stelle mich in
das göttliche Licht der Erkenntnis.
Es durchstömt mich
fließt durch mich hindurch
bis auf den Grund meiner Seele.

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Verrutscht

Ich gehe  in den Raum, steuere auf den Sessel am Fenster zu. Unter einer Lampe liegt ein Buch, es ist aufgeschlagen. Ich lese den ersten Satz.

„Ist mein Ziel verrutscht?“, fragte sie sich und passte es nochmal neu an. Sie wollte unbedingt in dieses Leben passen, aber immer wieder verrutschte etwas. Es zwickte und zwackte hier und da und manchmal war ein Tag zu groß und rutschte herunter. Sie konnte sich nicht mehr erinnern, wann sie zuletzt ihr Ziel formuliert hatte. Was wollte sie erreichen? Zu aufgetürmt lagen da die Aufgaben ihres Alltags. Manchmal reichte schon das alltäglich Nötigeste, um herauszufallen. Da fiel ihr das Aufstehen schon schwer – was wollte sie von diesem Tag? Oder ihre unendliche To-Do-Liste, die sie schon beim Frühstück angaffte, so dass sie den Mut verlor, irgendetwas anzupacken. Dann saß sie da, ihr Blick verlor sich in der Pfütze ihrer Teetasse und sie erstarrte. Bewegungslos verharrte sie so gleich morgens am Küchentisch. Verrutscht.

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Vertrauen

Vertrauen

  • ist wie eine unvoreingenommene Umarmung
  • ist wie ein Samenkorn, das gepflanzt wird, ohne zu wissen, was es werden wird
  • ist wie der nächste Schritt, ohne die Richtung oder das Ziel zu kennen
  • heißt mich am offenen Fenster weit hinauszulehnen
  • heißt mich mit offenen Armen zu überlassen
  • heißt die Trittsteine im Wasser nicht zu sehen und trotzdem zu gehen
  • heißt, einen dunklen Weg zu gehen ohne Angst
  • heißt loszulassen, was mich festhält
  • heißt mutig ins Ungewisse zu springen

Vertrauen
ist gefährdet
wird missbraucht
ist brüchig
ist dünn
ist riskant „Vertrauen“ weiterlesen

geschafft

„Geschafft – der Workshop und ich auch“ – so habe ich es oft  in einer Nachricht nach Hause geschrieben, wenn ich einen Auftrag hinter mir hatte. Ich gebe mein ganzes Herzblut, meine Kraft und Kompetenz, meine Präsenz und Aufmerksamkeit in meine Seminare und Workshops, sei es in die Weiterbildungen an Hochschulen oder in meine Schreibwerkstätten. Mein Energietank füllt sich durch den intensiven Kontakt mit Menschen, durch das Neue, was ich durch und von Menschen lerne. Ich liebe es, Lernsituationen zu gestalten und Räume für Entwicklung zu schaffen. Gleichzeitig verausgabe ich mich auch, rein körperlich durch lange Tage, Reisen, emotionalen Einsatz. Klar, dass ich danach auch geschafft bin.

Und es gibt Tage, an denen ich leer laufe, mich selbst reinreite in zerstörische Gedanken, wenn die vernichtenden Stimmen in mir laut werden und es sich so anfühlt: geschafft – und die Euphorie bleibt aus. Kein Händerecken, Jubeln oder Glücksgefühl, sondern nur ein schaler Nachgeschmack. Ungläubiges Erstaunen: Aha, das soll es jetzt gewesen sein? Ich spüre nicht, was es mit mir zu tun hat, dass ich etwas erreicht habe. Dass es mein Verdienst, meine Leistung, mein Zutun war, das zum Ergebnis geführt hat. Die dunkle Wolke um mich herum wird dichter, verstellt den Blick, macht die Stimmung finster, undurchlässig. Ich fühle mich abgeschnitten von der Welt, verliere den Kontakt zu mir und anderen. Einsam in einer Höhle.

Dann bin ich froh und dankbar für Menschen, die mich ertragen, mich ermutigen, zu mir stehen und mich ermuntern. Lichtblicke. Gott sei Dank.

 

Dieser Beitrag gehört zur Blogparade von #bks13.

Vision

Ein Tag. Ich weiß nicht, ob morgens, mittags oder nachmittags. Ich bin müde und schlaff. Alles ist so eingefahren. Immer wieder die Sehnsucht nach Freiheit, Heilung, Zielsetzung, Ungebundenheit, Veränderung. Irgendetwas muss jetzt passieren, denke ich.

Da geht die Tür auf und mein Mann steht mit unserem kleinen Sohn vor dem Schreibtisch. Sie strahlen beide und wollen mir etwas sagen, doch finden keine Worte. Ich werde ungeduldig. Er nimmt mich an die Hand und führt mich auf die Terrasse. Die Sonne hüllt die weiße Winterlandschaft in ein zartes Gelb. Eine Hülle, von der wir mit eingeschlossen werden. Das Licht wird immer heller. Ich fühle mich gleichzeitig gefangen und befreit. Da kommt jemand, der mir alles gibt und nimmt durch das Licht. Es ist jemand, auf den ich gewartet habe. Er nimmt mir die Belastungen, die Ängste, die Zwänge, die Sorgen. Alles fällt von mir ab wie ein dicker, grauer Panzer. Jetzt wirkt das Licht wie eine heilende Kraft. Ich breite die Arme aus und rufe DANKE!

Mein Mann und unser Sohn singen. Ich stimme in ihr Lied ein. Aber nicht nur das bewirkt das Licht. Ich fühle mich in einen großen Plan hineingenommen, an dem ich mitarbeiten darf. Eine Aufgabe ist nur für mich. Ich kann mich einbringen, um diesen Plan mit zu erfüllen. Die Welt zu verändern, die Zukunft mit zu bestimmen. Und doch in meinen Möglichkeiten zu bleiben. Plötzlich fehlt mir die Kraft dazu. Ich bin ganz leer. Doch offen, mich füllen zu lassen. Da tritt Er auf als der Gesandte und Gesalbte und füllt mich mit der göttlichen Kraft.

Ich sitze wieder am Schreibtisch. Doch alles ist anders. Liebe bestimmt mein Handeln. Ich habe eine Aufgabe und will bereit sein zu dem Weg, den er mir zeigt. Und erfüllt mit einer Kraft, weil ich den Weg nicht allein schaffen würde.

befreit

geheilt

beauftragt

geführt

gestärkt

geliebt

DANKE

 

Nach Lukas 2, 8-20

Weihnachten 1986

Diesen Text fand ich vor einiger Zeit zufällig in meiner Schatzkiste wieder. Als ich ihn las, wusste ich nicht mehr, um was für einen Text es sich handelt. Er kam mir vertraut und gleichzeitig fremd vor. Und dann bin ich über die Jahreszahl gestolpert: Weihnachten 1986!

Mit dieser Vision des hell erleuchteten Himmels und dem heilsamen Licht wünsche ich allen friedliche Weihnachten und ein hoffnungsvolles neues Jahr!

 

 

Sichtbar

Da ist sie.
Sichtbar.
Präsent.
Unübersehbar.

Wie lange haben wir darauf gewartet.
Wie lange gehofft, dass es geschieht.
Wie lange war der Raum versperrt,
die Angst zu groß, der Mut zu klein.

So anders fühlt es sich an:
gewiss
sicher
leicht
und gleichzeitig
selbstverständlich
freundlich
zugewandt

Offenheit
für das Spüren im Innern
und für die anderen.
Blickkontakt
und Innerlichkeit.
Frei.

In ihr ist Frieden
Gelassenheit
Zuversicht
Ruhe
und kindliche Neugier.

Sie mag die Spannung,
bevor es losgeht.
Das Rascheln, bevor es abebbt
und Ruhe einkehrt.
Das Knistern der Stille.

Blicke sind auf sie gerichtet.
Ihre Bühne.
Spannung.
Neugier.
Anfangen.

Die Worte fließen aus ihr heraus.
Geschmeidig.
Mit Leichtigkeit.
Stecknadelstille im Raum.
Ihr Raum.

Stimmig.
Klar.
Leise und laut.
Luftanhalten.
Ausatmen.

Beschwingt.
Gewiss.
Friedvoll.
Erfüllt.