Teebeutelweisheiten

Nichts ist wie Du,
nichts war wie Du,
nichts wird je wie Du sein.

Während einer meiner Workshops der letzten Wochen mache ich mir eine Tasse Tee und finde diese Teebeutelweisheit. Sie spricht mitten hinein in mein Leben, über das ich gerade wieder viel nachdenke: Wohin geht die Reise? Was lasse ich hinter mir? Wie wird das Neue sein? Was nehme ich mit?

Und dann die überraschende Antwort: ich selbst. Nichts ist wie ich. Ich nehme mich mit. Mit allem, was zu mir gehört. Während ich immer wieder darüber nachdenke, wo mein Platz ist, entdecke ich ebenfalls überraschend: Hier. Mein Blog ist einer meiner Plätze, an denen ich ich sein kann. Natürlich nie mit allem, was mich ausmacht, das ließe sich auch nicht auf einer digitalen Schreibplattform ausdrücken! Dieses Schreiben bringt mich in Kontakt mit mir, ich gehe der Spur nach zu meinem Inneren, zum Lebendigen.

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Edelsteine

In der Höhle sein.
Auf den Grund des Höhlensees schauen.
Es glitzert von Edelsteinen.
Sie liegen verborgen auf dem Grund des Sees.
Sie glitzern.
Reich und erfüllt.
Wertvoll.

Woher kommt das Licht?
Ich blicke nach oben.
Eine große Öffnung in der Höhlendecke
wird sichtbar.
Licht flutet die Höhle.
Ich stelle mich in
das göttliche Licht der Erkenntnis.
Es durchstömt mich
fließt durch mich hindurch
bis auf den Grund meiner Seele.

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Vertrauen

Vertrauen

  • ist wie eine unvoreingenommene Umarmung
  • ist wie ein Samenkorn, das gepflanzt wird, ohne zu wissen, was es werden wird
  • ist wie der nächste Schritt, ohne die Richtung oder das Ziel zu kennen
  • heißt mich am offenen Fenster weit hinauszulehnen
  • heißt mich mit offenen Armen zu überlassen
  • heißt die Trittsteine im Wasser nicht zu sehen und trotzdem zu gehen
  • heißt, einen dunklen Weg zu gehen ohne Angst
  • heißt loszulassen, was mich festhält
  • heißt mutig ins Ungewisse zu springen

Vertrauen
ist gefährdet
wird missbraucht
ist brüchig
ist dünn
ist riskant „Vertrauen“ weiterlesen

Mein Raum

Ins kalte Wasser springen
und es ist tief und weit.
Springen und fliegen,
getragen werden und mich fallen lassen.
Kräftige Schwimmzüge
bringen mich voran.

Da bin ich.
Das ist mein Raum.
Das ganze Meer
mit seinen Abgründen und Tiefen,
mit seiner Dunkelheit
und den glitzernden Wellen
auf der Oberfläche.
Ein einzelner Wassertropfen
und die starke Welle,
warm an der Oberfläche,
tief und kalt ganz unten.

Der Wal
schwimmt im Haifischbecken.
Es ist zu klein,
er gehört nicht dorthin.
Nicht vor und nicht zurück.
Was macht die Bahn frei?
Wie springt er in die Tiefe?
Er braucht so viel Platz,
soviel Raum für sich.

Flutscht durch den dunklen Schlund
schnell,
gleitet in das Meer aus Liebe,
strandet im groben Kies,
angespült,
ausgespiehen vom großen Meer,
allein zurückgelassen.
Er braucht Hilfe,
ist allein. „Mein Raum“ weiterlesen

Aufblühen

Wenn das Beste in mir leben würde,
würde ich fliegen.

Wenn das Beste in mir leben würde,
wäre Hoffnung meine Nahrung.

Wenn das Beste in mir leben würde,
wäre Vielfalt mein Reichtum.

Wenn das Beste in mir leben würde,
wäre meine Stärke erwünscht.

Wenn das Beste in mir leben würde,
strahlte das Glück aus allen Poren.

Wenn das Beste in mir leben würde,
würden Hunde mich küssen.

Wenn das Beste in mir leben würde,
badete ich in einem See voller Sehnsucht.

Wenn das Beste in mir leben würde,
wäre Großes groß und Kleines klein.

Wenn das Beste in mir leben würde,
wäre ich frei zu lieben und zu geben.

Wenn das Beste in mir leben würde,
stehe ich auf der Bühne ohne Angst.

Wenn das Beste in mir leben würde,
singe ich das Lied meines Lebens mit kraftvollem Klang.

Wenn das Beste in mir leben würde,
wäre ich zart und stark zugleich.

Wenn das Beste in mir leben würde,
wäre immer jetzt.

Wenn das Beste in mir lebt,
bin ich ganz heil.

 

Focusing-Sommerschule Juli 2018

 

 

 

 

 

Wenn die Angst vergeht

Noch ein Schreibimpuls aus Hannas Schreibwerkstatt

Stell dir vor
du hättest keine Angst mehr
vor nichts und vor niemandem

 

Wenn ich keine Angst mehr hätte
würde ich tief Luft holen und
losgehen

Wenn ich keine Angst mehr hätte
würde ich es wagen
rauszugehen

Wenn ich keine Angst mehr hätte
würde ich mich zeigen
so wie ich bin

Wenn ich keine Angst mehr hätte
wäre der Mut meine Freundin und
Schutz nicht mehr nötig

Wenn ich keine Angst mehr hätte
wäre ich vor nichts mehr sicher
furchtlos

Wenn ich keine Angst mehr hätte
würde ich mutig losgehen
mit dem Kopf durch die Wand

Wenn ich keine Angst mehr hätte
würde ich über mich hinauswachsen
groß und größer werden

Wenn ich keine Angst mehr hätte
wäre ich unangreifbar und
verletzlich zugleich

Wenn ich keine Angst mehr hätte
könnte ich die Ängstlichen nicht mehr verstehen
weil ich ihre Gefühle nicht kennte

Wenn ich keine Angst mehr hätte
würde ich die Gefahren nicht mehr sehen und
blindlinks ins Unglück stürzen

Wenn ich keine Angst mehr hätte
würde das Leben wie ein weites, offenes Feld
vor mir liegen –
frei.

 

Tanzrausch

geführt
berührt
gefallen und
auferstanden
bewegt
berührt
geführt
gefolgt und
gefangen

Neu belebt
frisch geschlüpft
hoch gehoben
und aufgefangen
mitgerissen
stehen geblieben
neu entfacht
entzündet
entflammt
brennend
in die Nacht

zärtlich berührt
verführt
eingewickelt und
umhüllt
hell erleuchtet
bunt geschmückt
vertraut

aufgehalten
angehalten
losgetreten
entfesselt
erkämpft und
gewonnen

hungrig
nach Leben
leer ausgegangen
verdurstet
zerronnen
versickert und
versackt

sprudelnd
tropfend
quellend und
erhellend
Mut getrunken
Freiheit gesoffen
Ekstase
Tränen
fließen
alles zuckt und
webt

gelebt
geliebt
vertraut
gefunden
losgelassen
frei
wie eine Feder
fliegen
schweben
weben
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Spürbar

Es bricht etwas Neues an.
Es knistert und prickelt.
Es knackt und piekst.

Manchmal ganz sanft und leise
und plötzlich mit so viel Energie,
Rückenwind und Sonnenkraft.

Ja, und manchmal sticht es
und schmerzt.
Loslassen, Abschied und Trauer.

Das Alte vergeht,
ein Neues wächst.
Langsam, beharrlich, oft unsichtbar
doch beständig in Bewegung.

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Psalmwerkstatt: Mit dem Herzen schreiben

Die Teilnehmenden kommen in einen großen, hellen Seminarraum. In der Mitte ist ein Stuhlkreis um einen Strauß Tulpen umringt von bunten Schmetterlingen und einem roten Herzen. Mit einem schön gestalteten Zitat auf einer Flipchart werden die Teilnehmenden empfangen. Klemmbretter mit einem Willkommensbrief und dem Ablauf sind vorbereitet. Daneben ist Platz zum Meditieren; Matten, Decken und Meditationsbänke liegen bereit. An einer Wand steht ein Klavier. Es kann losgehen!

Am letzten Wochenende begegneten wir uns in der Psalmwerkstatt, einer meditativen Schreibwerkstatt im Stephansstift. Wir hatten viel Raum zum Schweigen und Schreiben. In Stille begannen die Einheiten, Texte und Meditationen führten in die Tiefe des eigenen Herzens. Ein Impuls regte das Schreiben an. Die so entstandenen Texte teilten wir behutsam und wertschätzend. Wir wurden sehr reich beschenkt.

Eine Teilnehmerin schrieb:

Vielen Dank für Deine liebevolle, konzentrierte und aufmerksame Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung der Tage in Hannover.
Deine ruhige, wertschätzende Sprache, die ästhetischen handgeschriebenen Plakate und die wohltuenden Regeln für das Miteinander waren ein Genuss.
Kein Kommentar, keine Interpretation oder Analyse dessen, was andere geschrieben haben, sondern eine Resonanz, ein Echo dessen, was man selbst gehört hat.
Es war ein Geschenk und ein Segen, dabei zu sein.

Ich teile hier meinen „Schutzpsalm“, der in der Übung „Lieblingsverse fischen“ (nach Hippe 2015, S. 168) entstanden ist. „Psalmwerkstatt: Mit dem Herzen schreiben“ weiterlesen