Zeitumstellung – Zeitenwende

Diese Nacht ist eine Stunde länger, eine geschenkte Stunde – auch wenn das natürlich eine Illusion ist, denn wer sollte mir eine Stunde meines Lebens schenken? Jede Stunde, jede Minute, jeder Moment ist ein Geschenk. Ich darf atmen, ich darf leben.

Was bemerke ich, wenn ich jeden Moment bewusst wahrnehme? Meinen Körper, meinen Atem, ich beobachte meine Gedanken, bemerke meine Umgebung, höre die Musik und Geräusche, sehe die Details im Raum, meine Katze, spüre Wärme in meinen Händen und Verspannung in meinen Schultern.

Ich bin. Jetzt.

Was ist dagegen eine Uhr, die willkürlich Minuten und Stunden zählt und mir heute Nacht suggeriert, eine Stunde mehr zu haben? Wovon lasse ich meine Wahrnehmung leiten? Worüber rege ich mich auf? Worauf habe ich Einfluss?

Ja, ich habe bei der Volksabstimmung mitgemacht und freue mich, wenn dies eine der letzten Zeitumstellungen sein wird. Wenn diese Absurdität endlich Geschichte ist, die 38 Jahre mein Leben geprägt hat, mich im Frühjahr aus dem Bett gequält hat – was ich vor allem in meinem Studentenjob gemerkt habe, als ich um 7.00 Uhr anfangen musste – und dann plötzlich gefühlt um 6.00 Uhr! Im März! Wo es noch zwei Stunden nach dem Aufstehen stockdunkel ist. Und im Herbst dann erst die Freude über eine Stunde mehr Schlaf und schon am Abend das Erschrecken darüber, dass plötzlich Winter ist. Ja, es ist um 17 Uhr dunkel! Der Herbst wird heute abrupt beendet und die gemütliche Jahreszeit mit Kerzenschein und Kuscheldecke beginnt. Das hat zum Glück demnächst ein Ende, der Übergang wird wieder gleitender, natürlich. Keine Qualen für die innere Uhr, die im Frühjahr zu spät ging und im Herbst noch mal aus dem Rhythmus fiel.

Und heute Abend wirkt es doch wieder wie in den letzten 38 Jahren: Was mache ich mit der geschenkten Stunde? Heute las ich Texte, die ich im Laufe des Jahres geschrieben habe und noch nicht veröffentlicht habe – ein schöner Fundus für den Blog! Seid gespannt, was die Spurensuche auf dem Weg der Verwandlung noch zu Tage fördern wird.

 

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3 Kommentare zu „Zeitumstellung – Zeitenwende

  1. Liebe Christiane,
    die Zeitumstellung im Herbst habe ich mir eigentlich immer versucht zu versüßen mit dem Gedanken, dass mir ja eine Stunde geschenkt wird. Dass mir die im März geklaut wurde, habe ich bis Oktober regelmäßig verdrängt. Aber Du hast Recht, eigentlich kriegt man da gar nichts geschenkt. Aber ich bekomme nochmal ein anderes Bewusstsein für Dunkelheit durch die Zeitumstellung. Auch gestern fand ich es eigentlich schon gruselig, dass es um 18.00 Uhr finster wurde. Nun war es heute erst 17.00 Uhr und die Nacht kam. Je älter ich werde, desto mehr Sehnsucht habe ich nach Licht am Abend. Diese langen Juni-Sommernächte finde ich genial. Bis September geht es eigentlich auch noch, aber dann wird e immer schlimmer bis hin zum März. Morgens Dunkelheit ist nicht so dramatisch, denn da weiß ich beim Aufwachen, es wird ja nachher wieder hell. Von daher wünsche ich mir eine dauerhafte Sommerzeit. Und das mit dem Kuscheln und Kerzen und dem warmen Tee, da hab ich mich dann bis Dezember auch wieder drauf eingestellt und kann sie damit überleben, diese Zeit der Dunkelheit. Was mache ich heute mit der geschenkten Stunde? Einfach mal früher ins Bett gehen.
    Liebe Grüße
    Anne

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  2. Liebe Christiane,
    eine Stunde
    mehr
    Stunde Stunde
    Eine Stunde
    weniger
    Eine
    Eine Stunde mehr
    mehr
    Zeit
    Eine Stunde weniger
    weniger
    Zeit
    Eine Stunde mehr
    mehr
    Worte
    Eine Stunde weniger
    weniger
    Zwischenräume
    für Gedanken die
    wegführen von dem was
    geschrieben
    werden will
    Eine Stunde mehr
    mehr
    Zeit zum Schreiben
    Liebe Grüße,
    Mia

    Gefällt 1 Person

  3. Liebe Christiane,
    was ich so an deinem Blog liebe, sind die stimmungsvollen Bilder, die mich augenblicklich inne halten lassen und deine Gedanken, die du mit uns Lesern*innen teilst.
    Herzlichen Dank für diese kleinen sorgsamen Geschenke im hektischen Alttags-Einerlei, das wir wirklich nur genauer betrachten müssen, um die besonderen Momente zu finden.
    Alles Liebe
    Hedda

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