Berührt

Etwas berührt mich. Ich bin berührt worden. Eine Berührung kann etwas in mir anrühren. Körperkontakt kann eine starke Wirkung haben – verletzen genau wie heilen. Als ich zuletzt bei einer Übung mitmachte, in der ich mit geschlossenen Augen und mit zwei Begleitern rechts und links durch den Raum gehen sollte, reagierte ich hochsensibel auf jede Berührung. Wie möchte ich geführt werden? Wo berührt mich die Partnerin, um mir ein Gefühl von Sicherheit zu geben und mich trotzdem nicht zu bedrängen? Wie viel Druck, Richtungsanweisung und Klarheit beim Geführtwerden brauche ich? Ich habe erlebt, wie wichtig mir die Achtsamkeit dafür ist, dass ich nirgendwo anstoße. Wie viel stärker wirkt eine flüchtige Berührung, ein kleiner Zusammenstoß im Raum, wenn ich mich in die Hand eines anderen begebe. Mit geschlossenen Augen sind die anderen Sinne sensibilisierter: das Hören, Riechen und Fühlen. Alles erreicht mich tiefer, ich bin spüriger. Von einer Berührung kann Kraft ausgehen.

Er geht durch eine große Mengenmenge. Seine engsten Mitarbeiter dicht bei ihm. Schnellen Schrittes will er an sein Ziel gelangen. Schieben und Stoßen sind an der Tagesordnung, alle wollen ihn sehen, möglichst nah an ihn heran. Da! Er bleibt stehen. Dreht sich suchend um. „Wer hat mich berührt?“, fragt er. Die Umstehenden weichen zurück. Seine Beschützer begreifen nicht, was er meint: „Hier sind total viele Leute, die sich dicht um dich drängen! Und du fragst, wer dich berührt hat?“
Ich habe gespürt, dass Kraft von mir ausging.“

Ich lade zu einer Übung ein: Wie werde ich im Alltag berührt? Achte auf zufällige Berührung, schließ die Augen und lasse nachwirken. Vielleicht wagst Du mit geschlossenen Augen Dich führen zu lassen?

Reflexion: Was berührt mich?

11 Kommentare zu „Berührt

  1. Liebe Christiane,
    ich kann dir gar nicht sagen, wie viel diese wenigen Worte in mir AUFrühren. Wenn ich an die vielen Menschen denke, die überhaupt nicht (mehr) oder wenn, dann nur funktional berührt werden. Auch meine eigene jüngste Vergangenheit ist direkt wieder präsent, soviele Krankenhausaufenthalte und Arztbesuche, die immer bedeuteten: Schnitte, Spritzen, Blutentnahmen, Nadeln, Messer. Eben auch Formen von Berührung, selbst wenn du etwas anderes im Sinne hattest.
    Ich hatte kürzlich ein Gespräch mit dem Ergotherapeuten meines Sohnes, der von der Selbstverständlichkeit, der Schönheit und dem Geschick sprach, mit dem die Menschen in afrikanischen Ländern sich bewegen, und er führte das darauf zurück, dass sie als Babies massiert werden. Dann ist mir aufgefallen, wieviel leichter und geschmeidiger mein zweiter Sohn, den ich auch massiert habe, sich gegenüber meinem Erstgeborenen bewegt, bei dem ich mich das nie getraut hätte.
    Der kursiv gedruckte Absatz verwirrt mich. Teile klingen wie ein Bibelzitat?
    Ich werde heute und in den nächsten Tagen darauf achten, von welchen Berührungen Kraft ausgeht und auch, wann eine Berührung mir vielleicht Kraft oder Energie nimmt.
    Danke für die Denkanstöße und die Übung 🙂

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    1. Liebe Heike,
      danke für die Rückmeldung und den Einblick in Deine Berührungserfahrungen, die mich auch berührt haben.
      Ja, das ist ein Bibelzitat (s. eingebauter Link). Diese Begegnung fand ich sehr passend zum Thema Berührung.
      Liebe Grüße
      Christiane

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  2. Wow, das hat mich gerade berührt! Die kleine Geschichte hat mir eine Gänsehaut verpasst. Sie macht so schön anschaulich, dass manche Begegnungen unser Inneres berühren und dort Spuren hinterlassen…
    lg. mo…

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  3. Liebe Christiane,
    *Jede Begegnung, die unsere Seele berührt, hinterlässt eine Spur, die nie ganz verweht.*, kommt mir beim Lesen sofort in den Sinn. (Lore-Lillian Boden).
    Berührungen mit Worten, auch da achtsam mit denen, die wir sagen, denken und schreiben …
    Danke fürs Erinnern,
    liebe Grüße,
    Sabine

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  4. Liebe Christiane, ich mag diese Bibelstelle sehr. Das Aussenden von Kraft ist hier keine Aktion, sondern eine Reaktion auf eine Berührung. Das finde ich sehr spannend, da für mich Kraft schon sehr aktiv ist. Und gerade ist mir aufgefallen, dass es viele sehr schöne und wichtige Wörter gibt, die durch ein Ü geprägt sind: fühlen, spüren, berühren, führen, glühen, mühen, rühmen … Liebe Grüße und gute Nacht! Sabine

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  5. Liebe Christiane,

    Berührung verletzt und heilt, darüber bin ich schon ganz zu Beginn deines Textes gestolpert und das hat mich berührt.

    Sprache berührt mich, nicht nur der Körperkontakt, Blicke berühren mich, Augen, in deren Tiefe sich eine Seele zeigt, manchmal nur scheu vorüberhuscht, Musik berührt mich, die menschliche Stimme, das Schwingen der Klänge und Stille berührt mich, da ich in ihr feinsinniger werde und mich umhüllt fühlen- von Berührungen.
    Danke für die Inspiration.

    berührt
    Hedda

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