Atmen

Atmen ist ein guter Begriff zum Anfangen. Atmen bringt mich in Kontakt mit meinen Innenräumen. Lange Zeit waren mir diese Innenräume fremd, ich hatte keinen Zugang zu ihnen. Was beim bewussten Atmen passierte, erschloss sich mir nicht, im Gegenteil es war sogar irgendwie bedrohlich. Erwartete ich in der Tiefe etwas Fremdes, Unbekanntes in mir? Oder Angst vor einer Leere, die dann spürbar wird, wenn ich ihr nachgehe? Hatte ich eine Ahnung, dass mich Atmen in die Tiefe führt? Dass hier ein Schlüssel zu Achtsamkeit und meiner Sehnsucht liegt? All das kann angerührt werden, wenn ich mich bewusst auf meinen Atem konzentriere. Jetzt – mit Übung und Erfahrungen in Focusing – habe ich erfahren, dass auch noch etwas anderes geschieht: Ruhe, Fließen lassen, Erdung, es geschehen lassen – all dies sind Körpererfahrungen, für die ich einen sicheren Raum benötige. Sicher atmen, Raum in mir entstehen lassen, in dem ich sein kann. Den Atem, die Luft in mich hineinströmen lassen. Lebensatem. Ruach wird im hebräischen der Atem genannt, gleichbedeutend mit Geist. Der Atem Gottes. Gott hat durch seinen Atem Leben eingehaucht. Atmen ist universell: Alle Menschen atmen. Ich teile den Atem mit allen Menschen. Und jeder Atemzug ist ein Schöpfungsakt. Ohne Atem kein Leben. Wenn das Leben ausgehaucht wird, endet das Atmen. Atem ist Leben. Atmen lässt Räume in mir entstehen.

Ich lade zu einer Übung ein: Folge bewusst deinem Atem, der in dich hineinströmt: durch die Nasenflügel, in den Hals bis in den Brustkorb, vielleicht noch tiefer in den Bauch hinein.

Reflexion: Was spüre ich in meinem Körper, wenn ich so meinem Atem folge? Welche Gefühle sind damit verbunden?

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8 Kommentare zu „Atmen

  1. Liebe Christiane,
    ein schönes Thema. So sinnlich. Und so passend auch zu meinem Thema: „Und jeder Atemzug ist ein Schöpfungsakt.“ Das knüpft nahtlos an Julia Camerons Gedanken in „Der Weg des Künstlers“ an, dass wir alle Schöpferische Wesen sind.
    lg. mo…

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  2. Liebe Christiane,

    manchmal atme ich meine Lieblingsfarbe ein, bis in die letzte Pore fülle ich den Raum aus mit dieser einen Farbe und fühle mich befüllt. Es ist ein wundersames Ding mit dem Atem, der uns permanent unmerklich mit dem versorgt, was wir brauchen, dem Sauerstoff. Daher finde ich das Bild auch sehr passend zu deinen Gedanken, denn es sind die Bäume, die das CO2 in den Sauerstoff verwandeln – stofflich, aber auch im übertragenen Sinne.

    Interessant finde ich die Überlegung zum Thema Raum. Es sind Räume, um die es im Leben häufig geht, Grenzen, die einengen, aber auch schützen, die uns heilig sind, wenn es um unseren ureigensten Raum geht. Das habe ich anhand deines Textes noch einmal mehr verstanden.

    Vielen Dank …

    Hedda

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